Finanzen und Controlling

„Controlling ist, aus Zahlen Geld zu machen.“
unbekannt

Über Geld redet man nicht gerne. Finanzen sind ein Thema, das Unbehagen wecken kann. Ohne Geld und Liquidität funktioniert ein Unternehmen aber nicht. Auch die Kirche geht professionell an Finanzen und Controlling heran, denn Seelsorge in unserer Gesellschaft bedeutet gerade heute einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Aufwand. Der bekannte Benediktinerpater und Buchautor Anselm Grün war 36 Jahre lang Wirtschaftsleiter der Abtei Münsterschwarzach. Er leitete die Abteilung Finanzen und Controlling erfolgreich, weil er über Geld sprach, sich aber eine gesunde Distanz bewahrt hatte. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2010 redete er über Renditen („So zehn Prozent im Jahr. Das ist besser als die Entwicklung des DAX.“), Bonuszertifikate („[…] da sind Renditen von 10 bis 15 Prozent drin […]. Da, Bayer, die liefen gut.“) und Standardwerte („Ich habe 30 Prozent Puffer und setze stark auf deutsche Blue Chips.“). Pater Anselm hatte sein Controlling im Griff. Wie sieht es aber bei Ihnen aus?

Finanzen im Unternehmen

Denken Sie an Ihr Unternehmen: Welche Zahlen kommen Ihnen in den Sinn und wie bewerten Sie diese Zahlen? Natürlich, Sie haben einen Buchhalter. Der verwaltet aber die Zahlen nur. Die Geschäftsanalyse ist dagegen Ihre Aufgabe als Unternehmensinhaber. Zusammen mit dem Buchhalter oder Controller entwickeln Sie aus den Zahlen Aktivitäten. Das ist der Sinn und Zweck der Analyse eines Zahlensatzes. Durch Ihr Wissen und Ihre Erfahrung bleiben Zahlen keine abstrakten und bedeutungslosen Gebilde mehr: Als Unternehmer können Sie Zahlen deuten, haben Vergleichswerte, können die Ursache von Zahlen benennen und wissen, wie man sie kontrolliert und verändert.

Grundberichte eines Unternehmens

Für die Ermittlung der finanziellen Situation eines Unternehmens zu einem Stichtag nutzt man die Bilanz. Der Name leitet sich vom lateinischen „bilancia“ ab und bedeutet soviel wie „zwei Waagschalen“ oder einfach „Waage“. Die beiden Waagschalen sind die Aktiv- und die Passivseite. In der linken Spalte der Bilanz stehen die Aktiva: Dazu zählen das Vermögen des Unternehmens mit Kasse, Forderungen, Lagerbestand und Maschinenpark. In der rechten Spalte finden wir die Passiva: Verbindlichkeiten wie Darlehen, Steuern, kurzfristige Kredite sowie das Kapital mit Eigenkapital, laufendem und akkumuliertem Gewinn. Die Aktiv- und Passivseite in der Bilanz sind immer gleich. So wie eine Waage im Gleichgewicht bleibt, wenn links und rechts identische Massen liegen, so ist ein Unternehmen im finanziellen Gleichgewicht, wenn Aktiva und Passiva ausgeglichen sind. Die Bilanz kann man auch so erklären: Links wird die Verwendung des Geldes, rechts der Ursprung beschrieben.

Kennzahlen (KPIs) für die Liquidität

Aus den Zahlen der Bilanz lassen sich sogenannte KPIs (Key Performance Indicators oder Leistungskennzahlen) bilden. Hier unterscheidet man Kennzahlen 1., 2. und 3. Grades, die folgendermaßen berechnet werden:

  1. Grad: Bar-Liquidität (Cash Ratio) Liquidität 1. Grades
  1. Grad: Acid Test Ratio (Quick Ratio)Liquidität 2. Grades
  1. Grad: Current RatioLiquidität 3. Grades

Die Leistungskennzahlen erlauben Rückschlüsse, ob ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachkommen kann. Dabei sollten sich die Kennzahlen im Bereich um 0,2 (1. Grad), größer oder gleich 1 (2. Grad) und größer oder gleich 2 (3. Grad) bewegen.

Im ActionCOACH-Workshop führen wir mehrere Beispielrechnungen zu Liquiditätskennzahlen durch. Wir behandeln auch die Gewinn- und Verlustrechnung ausführlich und in mehreren Versionen, woraus sich Trendanalysen ergeben. Die wichtige und notwendige Ergänzung zur G&V-Rechnung ist aber die Cashflow-Rechnung.

Cashflow: Niemals „out of cash“ gehen

Die G&V-Rechnung zeigt, ob aus den Einnahmen ein Überschuss gegenüber den Ausgaben erzielt wurde. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen: Sie ist rein theoretisch, da sie sich nur auf Umsatz und Kosten stützt. Was ist aber der Unterschied zwischen Cashflow und Gewinn?

Ein Beispiel dazu: Sie kaufen für Ihr Unternehmen eine Maschine für 10.000 Euro, die auf vier Jahre abgeschrieben wird. Im ersten Jahr bezahlen Sie die Maschine, im Cashflow ist die volle Summe als Abgang berücksichtigt. In der G&V-Rechnung tauchen dagegen nur 2.500 Euro auf, da jedes Jahr ein Viertel der Anschaffungskosten den Gewinn mindert. Somit ergibt sich im ersten Jahr ein Cash-Ablauf von real 10.000 Euro, während die Maschine in der Bilanz nur mit 2.500 Euro abgeschrieben wird. Mit Cash kaufen Sie Waren und Dienstleistungen, mit Gewinn können Sie das nicht. Achten Sie daher auf die Geschäftsperspektive, denn ohne Cash sind Sie pleite. Ein einmaliger Verlust muss dagegen noch nichts bedeuten.

Bei der Cashflow-Rechnung bezieht man sich ausschließlich auf den Aktiv-Posten „Cash“ in der Bilanz. Der gesamte Cashflow setzt sich aus dem operativen, investiven und dem finanzierenden Cashflow zusammen. Dabei werden alle Zu- und Abgänge erfasst:

Operativer Cashflow

Umsatz, Ausgaben, Abschreibungen, Forderungen, Verbindlichkeiten, Vorräte, Ertragssteuer

Investment-Cashflow

Sachanlagen und immaterielle Werte

Finanzierungs-Cashflow

Kredite, Schuldentilgung, Kapitalertragssteuer

Besonders wichtig ist der operative Cashflow. Ein gutes Unternehmen wandelt hier Gewinn in Cash um, mit dem wiederum Investitionen und der laufende Geschäftsbetrieb gewährleistet werden. Ist der operative Cashflow negativ, kann das Unternehmen Rechnungen auf Dauer nicht mehr bezahlen. Dann müssen Ersparnisse verwendet, Banken und Investoren oder sogar Freunde und Familie herangezogen werden. Daher gelten folgende Regeln für operativen Cashflow:

  • Operativer Cashflow soll positiv sein
  • Er soll größer als der Gewinn sein
  • Der Cashflow soll in die gleiche Richtung wie der Gewinn gehen
  • Operativer Cashflow soll größer als der Investment-Cashflow sein

Durch die letzte Regel ergibt sich automatisch eine Konsequenz: Ihr Geschäft finanziert sich selbst.

Die ActionCOACH-Veranstaltung zum Thema Finanzen und Controlling

Unser Workshop steigt tief in das Thema „Finanzen und Controlling“ ein. Wir machen viele Übungen, die Ihnen Unternehmensfinanzen näherbringen. Gleichzeitig bekommen Sie Beispiele aus der Praxis, um Ihnen das Lesen und Analysieren von Zahlen sowie das Erarbeiten von Aktivitäten zu erleichtern. Lernen Sie mehr über die G&V-Rechnung und den Cashflow, nutzen Sie KPIs und Hilfsmittel wie die Balanced Scorecard, um Ihr Unternehmen finanziell nach vorne zu bringen. Melden Sie sich jetzt für unsere kostenfreie Veranstaltung an und profitieren Sie von unserem Wissen!